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Heimische Wirtschaft lernt, die Corona-Krise als Chance zu nutzen

Aktualisiert: Nov 20

Heimische Wirtschaft lernt, die Corona-Krise als Chance zu nutzen (tips.at)

NEUFELDEN. Verpasse niemals eine Krise: Unter diesem Motto stand ein Workshop und Expertendialog, bei dem es um die Chancen für die Arbeitswelt der Zukunft ging. Das geplante Dynacenter in Neufelden war ein Schwerpunkt dabei.


v.l.: Vera Groiss, Groiss Wohnkultur, und WK-Bezirksstellenleiter Klaus Grad Foto: Isabella Hewlett

Eine Gruppe engagierter Unternehmer war der Einladung der Wirtschaftskammer Rohrbach, HTL Neufelden und der oö. Standortagentur Business Upper Austria gefolgt. Während es in den USA zum guten Ton gehört, auf dem Weg zum Erfolg etliche Krisen zu meistern oder Schiffbruch zu erleiden, ist die Kultur des Scheiterns in Österreich noch kaum etabliert. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown haben eindrucksvoll gezeigt, dass auch die heimische Wirtschaft lernen muss, mit gravierenden Problemen zu leben und diese zu meistern. Johann Lefenda, Leiter der Oö. Zukunftsakademie im Amt der Oö. Landesregierung, zeigte Megatrends auf, die von exogenen Schocks fast unbeeindruckt blieben.


Steigendes Regionalitätsbewusstsein

In diesen Herausforderungen sieht Andreas Hölllinger, Obmann der WKO Rohrbach, auch Chancen, beispielsweise im steigenden Bewusstsein der Bevölkerung für Regionalität und dem starken Bekenntnis dazu. „Diese Chancen gilt es nun, als Region zu nutzen, und dafür ist es wichtig, sich als Region zu positionieren. Der Bezirk Rohrbach und das Mühlviertel müssen zeigen, dass sie sowohl für Wohnen als auch für Arbeiten in hoher Qualität stehen“, sagte Höllinger.


Neufelden gegen Rio

Wird sich der Trend zur neuen Regionalität nachhaltig etablieren? Wie bindet man künftig die besten Fachkräfte? Wie können neue Arbeitswelten gestaltet werden, sodass Regionen auch für junge und gut ausgebildete Menschen attraktiv sind? „Der Wettbewerb im digitalen Zeitalter lautet nicht mehr Mühlviertel gegen den Zentralraum, sondern Neufelden gegen Rio“, betonte Lefenda. Neufelden war deshalb ein Thema, weil dort mit dem „Dynacenter“ ein Businesspark entstehen soll, der Wirtschaft, Kultur, medizinische Versorgung und Gesellschaftsleben unter einem Dach vereint. „Almost Home-Office“ Initiator Friedrich Agfalterer von der gleichnamigen Tischlerei präzisierte seine Vision: „Im Business Center soll mit moderner Ausstattung und offenen Gemeinschaftsbereichen ein neuer Ort zum Arbeiten und Vernetzen entstehen. Durch angedachte Dienstleistungen wie der privaten Paket- oder Briefannahme und der Bereitstellung von frischem Essen möchten wir mit dem Dynacenter ein “Almost Home-Office„ schaffen.“ Noch ist das Projekt in der Planungsphase. Agfalterer will „Firstmovern“ die Möglichkeit geben, sich bei der Gestaltung des Gebäudes aktiv einzubringen.


Tischlereigebäude wird revitalisiert

Der Unternehmer strich die positiven Effekte des Projekts für die Region hervor: Für das Dynacenter wird eine bestehende Gewerbeimmobilie revitalisiert, modernisiert und erweitert. Junge Unternehmer finden wichtige Infrastruktur vor, die Zahl der Auspendler aus dem Bezirk reduziert sich und mit der HTL Neufelden ergeben sich Kooperationsmöglichkeiten (www.dynacenter.at)


Fachkräfte in der Region halten

An der anschließenden Diskussion an den World-Café-Thementischen beteiligten sich neben Agfalterer WK-Bezirksstellenleiter Klaus Grad, HTL-Direktor Walter Jungwirth und Klaus Madlmair, Projektmanager bei Business Upper Austria. Sie waren sich darüber einig, wie es gelingen kann, die besten Fachkräfte in der Region zu halten: Neben den „harten Fakten“ wie Bildungs- und Arbeitsplatzangebot treffen jüngere Generationen Entscheidungen über ihren Wohnort zunehmend unter Berücksichtigung von „soft facts“, z. B. der Möglichkeit, Mitglied in sozialen Gruppen zu sein oder dem Ansehen ihrer Arbeitgeber. Ambiguität wird für Junge immer mehr zur Lebensrealität: Nicht Stadt oder Land, sondern Stadt und Land lautet die Devise.


Frauen ticken anders

Der Lockdown im Frühjahr 2020 hat Änderungen unserer Arbeitsrealität mit sich gebracht. Manche davon werden uns erhalten bleiben, wie beispielsweise dezentrales Arbeiten. Die Auswirkungen auf die regionalen Arbeitgeber sind noch nicht abzuschätzen. Eine weitere Erkenntnis: Frauen und Männer gewichten Arbeitsplatzfaktoren unterschiedlich. Insbesondere gut ausgebildete Frauen finden in Ballungsräumen eher, was sie suchen: eine breitere Auswahl an qualifizierten Arbeitsplätzen, flexible Dienstzeiten, attraktiven Wohnraum. Hier bestehen noch Potenziale in der Region.


Öffnung von Bildungseinrichtungen

Die Diplomarbeiten aus dem abgelaufenen Schuljahr in der HTL Neufelden zeigt es deutlich: Die Vernetzung von Handwerk, Technologie, Schule und Wirtschaft ist bereits bestens etabliert und wird immer wichtiger. Direktor Walter Jungwirth setzt sich und seiner Bildungseinrichtung hohe Ziele: eine weitere Öffnung, stärkere Zusammenarbeit auch mit dem tertiären Sektor und Möglichkeiten für Absolventen, in die Region zurückzukehren.

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